Grillen und Kochen beim Camping: Kocher, Grill und Zubehör

Fleisch mit Rosmarin brät in der Pfanne auf einem Campingkocher
Foto: Paxson Woelber, CC BY 2.0

Die Außenküche steht und fällt mit dem Gassystem. Welcher Kocher auf den Tisch kommt, ist schnell entschieden; ob die Flasche im Ausland nachgefüllt werden kann, ob das Gas bei Frost noch verdampft und wann Schlauch und Regler getauscht gehören, wird dagegen oft übersehen. Genau dort entscheidet sich, ob unterwegs gekocht wird oder die Pfanne kalt bleibt.

Kocher oder Grill: die erste Weichenstellung

Der Gaskocher ist der Allrounder. Er ist in Sekunden startklar und deckt alles ab, was in Topf und Pfanne passt. Zweiflammige Modelle liefern typischerweise 2,2 bis 2,3 Kilowatt je Brenner, genug, um zwei Gänge parallel zu garen. Der Grill spielt seine Stärke bei offener Hitze aus und macht das Essen zum gemeinsamen Ereignis, braucht dafür mehr Platz und einen Blick in die Platzordnung. Denn auf dem Campingplatz gilt kein bundesweites Gesetz, sondern die Hausordnung des Platzes: Gas- und Elektrogrills sind meist erlaubt, Holzkohle und offenes Feuer häufig nicht, weil Rauch und Funkenflug stören und die Brandgefahr steigt. Bei Wind oder Waldbrandgefahr wird das Grillen oft ganz untersagt.

Das Gassystem: Flasche, Anschluss, Regler

Deutsche Propanflaschen mit 3, 5, 11 oder 33 Kilogramm nutzen alle denselben Anschluss, der unter drei Namen auftaucht: Kleinflaschenanschluss, G.12 oder W21,8 mal 1/14 Zoll. Gemeint ist dasselbe Linksgewinde, dessen umgekehrte Drehrichtung als Verwechslungsschutz dient. Für einen tragbaren Kocher oder Grill im Freien schreibt das deutsche Regelwerk einen Ausgangsdruck von 50 Millibar vor; der zugehörige Regler trägt ein orangefarbenes Typschild.

Bei fest eingebauten Anlagen in Wohnwagen und Wohnmobil sieht es anders aus. Für neu zugelassene Fahrzeuge gilt seit 2006 ein Druck von 30 Millibar, erkennbar am gelben Typschild; ältere Anlagen mit 50 Millibar dürfen unter Bestandsschutz weiterlaufen. Die pauschale Regel, Camping laufe seit jeher mit 50 Millibar, führt also in die Irre: Sie stimmt nur für das freistehende Gerät im Freien, nicht für die Fahrzeug-Festanlage.

Butan oder Propan: der entscheidende Kälte-Unterschied

Zwischen den beiden Gasen liegt ein Unterschied, der über den Wintereinsatz entscheidet. Propan siedet bei rund minus 42 Grad und verdampft damit auch bei strengem Frost zuverlässig. Butan dagegen hört schon bei etwa minus einem halben Grad auf zu verdampfen und bleibt als Flüssigkeit in der Flasche liegen, während der Kocher kein Gas mehr bekommt. Tückisch ist, dass die Flasche sich dann noch gefüllt anfühlt: Das flüssige Butan ist da, nur nicht mehr nutzbar. Wer bei Minusgraden kocht, greift zu Propan oder zu einer Wintergas-Mischung mit hohem Propananteil.

Gas Siedepunkt Wintertauglich
Propan ca. −42 °C ja, ganzjährig
Butan ca. −0,5 °C nein, versagt unter 0 °C

Im Ausland: warum der deutsche Regler nicht passt

Eine europaweite Einheitsnorm gibt es nicht. Gewinde und Drehrichtungen unterscheiden sich von Land zu Land, weshalb ein deutscher Regler auf einer ausländischen Flasche in der Regel nicht sitzt. Für den Grenzverkehr gibt es zwei Arten von Sets: ein Entnahme-Set, das eine ausländische Flasche an den deutschen Regler bringt, und ein Füll-Set, mit dem sich die deutsche Flasche im Ausland nachfüllen lässt. Spanien, Portugal und mehrere weitere Länder setzen zudem auf Clip-on-Ventile ohne eigenes Schraubgewinde, für die ein passender Adapter nötig ist.

Unkompliziert bleibt der Tausch dort, wo dieselben Systeme wie in Deutschland gelten, etwa in Österreich, Belgien und Luxemburg. In einigen Ländern ist das Befüllen deutscher Flaschen dagegen eingeschränkt oder untersagt; dort kauft man vor Ort eine lokale Flasche und nutzt sie mit dem Entnahme-Set. Das europaweite CampingGaz-System mit seinen blauen Butanflaschen umgeht das Problem, weil es sich in rund 40 Ländern tauschen lässt; sein Nachteil bleibt das reine Butan, das im Winter versagt. Die blaue Schraubkappe dieser Flaschen sollte man unbedingt aufheben, denn ohne sie verweigern viele Händler den Tausch.

Kartuschen: Stechen oder Schrauben

Bei kleinen Kochern stehen zwei Kartuschentypen zur Wahl. Die Stechkartusche ist günstiger, hat aber kein Ventil und darf erst abgenommen werden, wenn sie vollständig leer ist; sonst strömt Gas aus. Die Schraubkartusche nach EN 417 mit ihrem 7/16-Zoll-Gewinde besitzt ein selbstdichtendes Ventil und lässt sich jederzeit abnehmen, kostet dafür mehr. Ein verbreiteter Irrtum: Die Norm EN 417 garantiert keine allgemeine Kompatibilität, denn US- und EU-Kartuschen sowie einzelne Hersteller weichen voneinander ab. Am sichersten fährt, wer Kocher und Kartusche vom selben Hersteller kombiniert.

Windschutz: unterschätzt, aber wirksam

Im Freien ist ein Windschutz keine Zutat, sondern Voraussetzung. Schon mäßiger Wind trägt die Hitze davon, verlängert das Kochen und treibt den Gasverbrauch nach oben. Herstellerangaben nennen Einsparungen von bis zu rund 30 Prozent, wenn der Brenner windgeschützt steht; belastbare unabhängige Studien dazu fehlen, weshalb die Zahl als Richtwert und nicht als gesichertes Messergebnis zu lesen ist. Unstrittig bleibt die Richtung: Wer den Brenner abschirmt, kocht schneller und sparsamer.

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Sicherheit: die Regeln, die nicht verhandelbar sind

Zwei Gefahren wiegen schwerer als alle Komfortfragen. Die erste ist Kohlenmonoxid. Ein Gaskocher oder Gasgrill darf niemals in einem geschlossenen Zelt, im Wohnwagen oder unter der Markise brennen. Bei zu wenig Sauerstoff verbrennt Gas unvollständig, und es entsteht Kohlenmonoxid, wobei eine kleine, köchelnde Flamme mehr davon bildet als eine große. Das Gas ist geruch-, geschmack- und farblos und bindet rund 300-mal stärker an das Blut als Sauerstoff; die ersten Anzeichen wie Übelkeit und Kopfschmerz sind unspezifisch, bei hoher Konzentration wird es innerhalb von Minuten lebensgefährlich. Dokumentierte Todesfälle in Zelten zeigen, dass dies keine Theorie ist. Gekocht wird deshalb draußen, im Notfall nur in einer offenen Apsis bei durchgehender Belüftung, und zum Heizen taugt ein Kocher ohnehin nie.

Die zweite Gefahr ist der Brand durch Kontakt. Kippt ein Kocher gegen die Zeltwand, steht der Stoff in Sekunden in Flammen. Der Kocher gehört deshalb auf ebenen, festen Grund mit sicherem Abstand zu allem Brennbaren; je nach Quelle werden ein bis fünf Meter genannt, sicherheitsorientiert mindestens drei Meter zum Zelt, im Zweifel mehr. Die Gasflasche steht neben dem Grill, nie darunter, und ein Gasbrand wird nicht mit Wasser gelöscht, sondern mit einem Feuerlöscher.

Schlauch und Regler haben ein Verfallsdatum

Gasschlauch und Druckregler müssen spätestens zehn Jahre nach ihrem Herstellungsdatum getauscht werden, unabhängig vom sichtbaren Zustand, denn der Gummi verspröt von innen. Das Datum steht als Prägung oder Aufdruck auf dem Schlauch oder dem Typschild; fehlt es, ist das Teil nicht zugelassen. Hinzu kommt die wiederkehrende Gasprüfung alle zwei Jahre. Bei jeder rissigen, gequetschten oder undichten Stelle wird sofort getauscht, egal wie alt das Teil ist. Wie Gas, Wasser und Kühlung im Fahrzeug zusammenspielen, behandelt der Bereich Wohnmobil-Zubehör; zur Kühltechnik selbst führt der Ratgeber zu Kühlboxen und Kühlschränken.

Häufige Fragen zu Grillen und Kochen

Welcher Gasdruck gilt beim Camping in Deutschland?

Für einen tragbaren Kocher oder Grill im Freien gelten 50 Millibar, erkennbar am orangefarbenen Regler. Für fest eingebaute Anlagen in neu zugelassenen Wohnwagen und Wohnmobilen gelten seit 2006 dagegen 30 Millibar mit gelbem Regler; ältere 50-Millibar-Anlagen haben Bestandsschutz. Die beiden Fälle werden oft verwechselt.

Warum funktioniert Butan im Winter nicht?

Butan hört schon bei etwa minus einem halben Grad auf zu verdampfen und bleibt flüssig in der Flasche liegen, sodass der Kocher kein Gas mehr bekommt. Propan verdampft bis rund minus 42 Grad und bleibt ganzjährig nutzbar. Bei Frost ist deshalb Propan oder eine Wintergas-Mischung mit hohem Propananteil die richtige Wahl.

Passt meine deutsche Gasflasche im Ausland?

Nicht ohne Weiteres. Es gibt keine europaweite Einheitsnorm, Gewinde und Drehrichtungen unterscheiden sich je Land. Für den Grenzverkehr helfen Adapter-Sets: ein Entnahme-Set für ausländische Flaschen und ein Füll-Set fürs Nachfüllen der eigenen Flasche. In manchen Ländern ist das Befüllen deutscher Flaschen eingeschränkt.

Darf ich im Vorzelt kochen?

Nur bei durchgehender, offener Belüftung und niemals in einem geschlossenen Raum. Ein Gaskocher im geschlossenen Zelt, Wohnwagen oder unter der Markise ist lebensgefährlich, weil sich Kohlenmonoxid bildet, das geruchlos ist und rasch wirkt. Sicher ist nur das Kochen im Freien; zum Heizen taugt ein Kocher nie.

Wann müssen Gasschlauch und Regler getauscht werden?

Spätestens zehn Jahre nach dem Herstellungsdatum, das als Prägung oder Aufdruck vermerkt ist, unabhängig vom sichtbaren Zustand. Fehlt das Datum, ist das Teil nicht zugelassen. Zusätzlich ist alle zwei Jahre eine Gasprüfung fällig, und bei jeder rissigen oder undichten Stelle wird sofort getauscht.